Eine Woche Einarbeitung beim Aussteller Diakonie Deutschland

Halli-Hallo, ihr Lieben!

Ich arbeite bei der Weltausstellung Reformation mit, die vom 20. Mai bis zum 10. September dieses Jahres in Lutherstadt Wittenberg stattfindet. Viele verschiedene Aussteller beleben die Weltausstellung. Unter anderem die Diakonie Deutschland. Die Kampagne zum Reformationssommer lautet „Türen öffnen – Gerechtigkeit leben“. Im Zuge dieser Kampagne wurden Türen der Gerechtigkeit in ganz Deutschland in verschiedenen Einrichtungen der Diakonie gestaltet. 179 Türen wurden eingesendet. 60 davon wurden von einer Jury ausgewählt, die das Türhaus zur Weltausstellung bestücken sollen. Um während der Weltausstellung über die Diakonie berichten zu können, durfte ich mit einer anderen Volontärin zusammen in der vergangenen Woche verschiedene Einrichtungen der Diakonie besuchen, um so einen bestmöglichen Überblick und ein bestmögliches Gefühl dafür zu bekommen, was Diakonie ist und bedeutet.

Montag und Dienstag verbrachten wir im Seniorenstift Georg Schleusner in Wittenberg. Montags begann unser Tag mit einer Stunde Seniorengymnastik, die auch für meinen jungen Knochen eine Wohltat war und wohnten danach einer Mitarbeiter-Andacht bei, in der ich spontan den Predigtteil übernehmen durfte. In der Mittagspause feierten wir den Geburtstag einer Mitarbeiterin. Da wir recht spontan in dieser Einrichtung auftauchten, verbrachten wir den Vormittag eher wartend und uns unterhaltend. Diakon Merten hat uns aber auf eine sehr aufmerksame Art und Weise in die Welt des Altenheims eintauchen lassen. So hatten wir einen weichen Start. Am Nachmittag begleiteten wir Diakon Merten ins betreute Wohnen, wo wir mit einer Gruppe von ca. 6 Bewohnern „Stadt, Land, Fluss“ spielten. Wir hatten ein Glücksrad mit Buchstaben und haben vorher mit Diakon Merten verschiedene Kategorien zusammengesucht.
Dienstags führte uns zunächst Diakon Merten durch die Pflegeeinrichtung, wo wir in jeder Station die Bewohner begrüßten und uns vorstellten. Später begleiteten wir eine Alltagsbetreuerin durch ihren Tag. Wir buken mit einer Gruppe von älteren Damen einen Speckkuchen. Unsere vier helfenden Hände wurden dankbar empfangen; wir halfen den Frauen beim Speck und Zwiebel schneiden. Manch einer Bewohnerin musste man immer wieder sagen, wie man es am besten anstellt, da sie relativ bald vergaß, was sie zu tun hatte. Auf jede von uns Helferinnen zählten wir ca. 3 ältere Damen. Es war sehr anstrengend, da man auf jede gleichermaßen viel achten musste, auch wenn manche Bewohnerinnen selbstständiger als andere waren.
Mittwoch und Donnerstag verbrachten Lily und ich in einer Flüchtlingsnotunterkunft der Stadtmission in Berlin. Mittwochs wurden wir von einer wirklich netten Mitarbeiterin in Empfang genommen, die uns einmal durch den „Balloon“ führte. „Balloon“ wird die Unterkunft selbst genannt. Zur Mittagszeit halfen wir in der Küche bei den Vorbereitungen und gaben das Essen aus. Danach betreuten wir die Kinder. Wir gingen mit ihnen zu einem nahegelegenen Spielplatz, wo sie sich austoben konnten. Donnerstags begleiteten wir „Mama“ Kathy im Housekeeping. Wir wuschen Wäsche und tauschten die Vorhänge mancher Kabinen aus, unterhielten uns bei einer leckeren Tasse Ingwertee und brachten Winterklamotten zu einem Altkleidercontainer, was Kathy schon eine Weile vor sich herschob, da sie nie genug Menschen gefunden hat, die ihr dabei behilflich sein konnten. Darüber hinaus erfuhren wir einiges über die Lebensumstände mancher Flüchtlingsfamilien und über die bürokratischen Hürden, die genommen werden müssen, um diesen Menschen eine Zukunft bieten zu können.

Diese Woche war sehr eindrucksvoll. Ich habe festgestellt, wie schwierig der Umgang mit alten Menschen ist, die konkrete Hilfe brauchen. Jeder von diesen Menschen hat schon ein langes Leben hinter sich und kann viel darüber erzählen. Da gab es eine, die sich freute, wenn man sie mit einem höflichen Knicks begrüßte und einen, der einem bloß wirres Zeug erzählte. Es war eine Herausforderung, sich damit zu befassen und sich intensiv mit diesen Menschen auseinanderzusetzen. Aber ich bin diese Herausforderung gerne angetreten. Denn man sah, wie sich die Menschen freuten, wenn man sich mit ihnen unterhielt und man seine eigene Geschichte erzählte. Oftmals verfiel man in ein Gespräch über die Zeit, in der sie ihre Jugend lebten. Es war wirklich schön.
Ähnlich erging es mir in der Flüchtlingsnotunterkunft. Als ich das Gelände betrat, war ich zunächst einmal geplättet. Es sah von außen nicht wirklich einladend aus und im Balloon war es doppelt so warm, wie die Außentemperatur hergab. Die geflüchteten Menschen waren so freundlich und bemühten sich auf deutsch zu reden. Aber ich fand es schwer, auf sie zuzugehen. Ich hatte bis dato keine Berührungspunkte mit Flüchtlingen, außer dass ich die Misere im Fernseher verfolgt habe und plötzlich bin ich mittendrin. Ich hatte kein Problem damit, wenn sie mich ansprachen und mich fragten, wer ich denn sei und ich fand es schön, so vielen lächelnden Gesichtern zu begegnen entgegen meiner Erwartung, die meisten trauernd und verletzt zu sehen ihrer Gründe für die Flucht wegen. Ich hatte meine Schwierigkeiten damit, persönlich auf sie zuzugehen und sie anzusprechen. Ich hatte Berührungsängste und war mir recht unsicher. Diese Erfahrung war neu für mich. Es verunsicherte mich zusätzlich, dass da so viel Security umherlief. Es gab mir teilweise das Gefühl, bedroht zu sein, obgleich ich wusste, dass diese Unsicherheiten unbegründet sind, wie mir auch jeder Mitarbeiter versicherte. Aber gerade wegen dieser Gedanken und Unsicherheiten würde ich es nochmal tun! Um diese Berührungsängste zu verlieren. Zwei Tage reichen dafür leider nicht aus, aber es waren die eindrucksvollsten zwei Tage, die ich in meinem Bundesfreiwilligendienst bisher erlebt habe.
Danke an die Menschen, die es mir ermöglicht haben, diese Erfahrungen machen zu dürfen.

Bis zum nächsten Mal,

eure Acelya 🙂

Autor:

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume!

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