Festwochenende und Luthers Hochzeit – zwei hochrangige Erlebnisse

Halli-Hallo, ihr Lieben!

Ich habe jetzt so richtig was zu erzählen! Am 20. Mai startete die Weltausstellung Reformation in Lutherstadt Wittenberg, eine Woche später war das Festwochenende!

Es ist Samstagabend. Seit ca. anderthalb Stunden läuft schon das Programm der „Nacht der Lichter“ auf der Festwiese zwischen Wittenberg und Pratau. Ich war noch bei einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie Wittenberg und hechte jetzt mit dem Fahrrad zur Tschaikowskistraße, von der es heißt, es würden von dort aus Shuttlebusse auf die Wiese fahren. Völlig außer Atem komme ich dort an und erfahre von ein paar herumstehenden Pfadfindern des REGP, dass der letzte Shuttlebus um 21 Uhr gefahren sei. Es ist nun viertel vor 10 am Abend und ich bin schockiert. Warum bin ich hierher gefahren?! Ach ja, um nicht laufen zu müssen. Aber nun gut, so ist es jetzt nun mal. Was kann ich an der Situation ändern? Ich frage die Pfadis, welche Optionen es gibt und siehe da, sie haben selbst vor, noch in Richtung der Festwiese zu fahren. Sie nehmen mich mit und scheitern selbst an großen Steinpollern mitten auf der Straße. In der Nähe des Altstadtbahnhofs muss ich nun aussteigen. Okay, jetzt muss ich also doch laufen. Während ich dann so in Richtung Elbbrücke laufe, fällt mir auf, dass einige Fahrradfahrer unterwegs sind und fange an, mich darüber zu ärgern, dass ich selber es nicht auch von vornherein mit dem Fahrrad probiert habe. Auf der Elbbrücke finde ich nette Gesellschaft, mit der ich mich unterhalten kann. Es kommt es mir so vor, als sei ich nur ein paar Minuten gelaufen, als ich auf der Festwiese eintreffe. Zu meinem Glück habe ich noch meine Dienstkleidung an und kann als Helfer*in beinahe ungehindert (Taschenkontrollen – juchhei – danke Sicherheitsvorkehrungen!) auf den Platz der Begierde eintreffen, wo mich auch schon ein Kollege der IT sehnsüchtig erwartet. Es ist derweil 23 Uhr und ich habe das Abendprogramm somit vollständig verpasst. Der Kollege tröstet mich mit den Worten: „Ach, hinten im Backstage habe ich auch nichts mitbekommen.“ Wie tröstlich, dass ich nicht die Einzige bin, der es ähnlich erging. Aber nun gut, nicht weiter betrübt, da ich ja nun endlich dort bin, wo ich hin wollte, suche ich mir ein nettes Plätzchen für mich und meinen Schlafsack, in den ich mich recht bald einkuschele. Es ist eine lauwarme Nacht und ich habe freien Blick auf die Sterne, denn der Himmel ist wolkenfrei. Ich betrachte noch eine ganze Weile den Sternenhimmel und lausche den Klängen auf der Wiese. Vereinzelt werden hier und da Taizé-Lieder geträllert und auf der Gitarre begleitet. Schon bald bin ich eingeschlafen.
Es ist kalt und ich habe Tau auf der Nase. Ich kuschele mich tief in den Schlafsack, sodass bloß noch die Augen herausschauen, die einen wundervollen Sonnenaufgang erblicken. Geweckt von leisen Klängen aus den Boxen und gekitzelt von den ersten Sonnenstrahlen. Herrlich. Ich liege eine Weile da und betrachte den Sonnenaufgang. Es gibt nichts schöneres, als so wach zu werden! Das sag ich euch, so wahr ich hier schreibe! Irgendwann schalte ich mein Handy an und stelle fest, dass es um die 6 Uhr ist. Ich entschließe mich dazu, aufzustehen. Was gar nicht so einfach ist, da ich lange nicht geübt hatte, wie man sich in einem Schlafsack umzieht. Aber ich bin tapfer und schaffe es. Als ich mich am Abend zuvor auf den Weg machte, hatte ich natürlich nicht daran gedacht, mir etwas zu essen und zu trinken mitzubringen, also stapfe ich zunächst mal zu einer Verpflegungsstätte, um festzustellen, dass sie noch geschlossen hat. Völlig verzweifelt aufgrund meines Hungers kommt doch noch eine zündende Idee. Ich gehe zum Helferzelt und frage spontan, ob es nicht noch was zu helfen gibt. Glücklicherweise wird noch Hilfe gebraucht, bei der Anmeldung der Liturgen. Also mache ich mich auf in das Nachbarzelt. Ab 7 Uhr ca. bereite ich mit einer Kollegin zusammen alles vor. Sie ist schon jetzt fast nervlich am Ende und hofft, dass alles glatt geht. Ich, ohne Frühstück im Magen, fange beherzt an, zu arbeiten. Ich begrüße und werfe mit freundlichen Worten nur so um mich, dass ich gar nicht merke, wie schnell die Zeit voranschreitet. Es muss ca. 11 Uhr sein, als eine Kollegin kommt und uns Brezeln und verschiedene süße Aufstriche mitbringt. Beherzt beiße ich rein und freue mich, dass meine Mühen so toll belohnt werden. Schon bald ist es kurz vor 12 Uhr. Zeit, um sich einen schönen Platz auf der Wiese zu suchen, um den bevorstehenden Kirchentagabschlussfestgottesdienst mitzuerleben. Nach einer Weile Sucherei finde ich auch ein schönes Plätzchen. Wie durch Zufall steht dort in der Nähe auch der Kollege von IT und ein ehemaliger FSJler, den ich sehr ins Herz geschlossen habe. Viele nette Worte des Wiedersehens und der Freude werden ausgetauscht, als auch schon der Gottesdienst beginnt. Allerhand Menschen sind auf der Bühne zu sehen und sie sprechen von einem tollen Kirchentag, (den ich selbst auch nur allzu gern erlebt hätte, aber vielleicht dann in Dortmund), vom Geist der Zeit. Höhepunkt des Gottesdienstes ist die Predigt eines südafrikanischen Bischofs. Wow, wahre Worte, wahre Worte… Herrlich, die Musik, sie erklingt von einer riesigen Tribüne hinter der Bühne, auf der mehrere Tausend Bläser ihren Platz gefunden haben. Das größte Blasorchester, welches ich je zu Gesicht und zu Gehör bekommen habe.
Die zwei Stunden Gottesdienst vergehen wie im Flug und ich muss mich auch schon auf den Weg zum Shuttlebus machen, denn mein Fahrrad steht ja noch in der Tschaikowskistraße, wo ich es am Abend zuvor stehen gelassen habe. Ich wäre ja noch so gerne zum Reformationspicknick geblieben, aber die Arbeit ruft. Das Türhaus der Gerechtigkeit wartet nicht so gerne, es liebt es, betreut zu werden. Also begebe ich mich in die kilometerlange Schlange zum Shuttlebus. 5 Minuten stehen, 2 Schritte gehen, 5 Minuten stehen, 2 Schritte gehen. Nach ca. 45 Minuten habe ich es dann auch in den Bus geschafft und noch mal ca. 1 Stunde später bin ich zuhause. Schnell wird der Rucksack abgeladen und dann geht es auch wieder ab in den Alltag.

Eine Woche vergeht, es ist nichts los bei der Weltausstellung Reformation, der Kirchentag ist vorbei und Wittenberg scheint ausgestorben zu sein. Ein paar einzelne Besucher verirren sich in unser Türhaus und verlassen es rasch, als sie merken, dass sie sich verirrt haben. Pfingsten zieht wie ein leichter Nebel an unserm Türhaus vorbei und eine weitere Woche ausgestorbenes Wittenberg erwartet uns. Derweil haben Lily und ich Besuch aus der Diakonie. Eine nette Dame, um die 70 Jahre herum, ehemalige Mitarbeiterin der Diakonie und Dikonia-Schwester beehrt uns mit ihrer Anwesenheit und weiß, die Zeit zu vertreiben. Während mir und Lily nichts anderes einfiel, als Bücher zu lesen, erzählt sie uns von ihren Abenteuern aus Schweden und von verschiedenen Konferenzen und Freundinnen. Es ist ein schöner Zeitvertreib und man lernt einiges dazu. So vergeht die Woche beinahe wie im Flug und wir erwarten das große Fest. Schon wieder eins, aber anderer Natur.

Es ist Freitagvormittag. Um 10 Uhr schließe ich das Türhaus auf, nehme mir zwei Stühle aus dem Bugenhagenhaus, packe sie in das mittlere Stockwerk und warte auf Ilse und Lily. Schon bald erscheinen sie und wir merken, wie geschäftiges Treiben uns umschließt. Wir sind mitten im Aufbau für das alljährliche Stadtfest „Luthers Hochzeit“ gefangen. Es ist schön, so viele Stimmen zu vernehmen und zu erleben, wie die Stadt lebendig wird. Je weiter der Tag voranschreitet, desto lebendiger wird es und gegen späten Nachmittag sind wir urplötzlich im Jahre 1525 gelandet. Das Jahr, in dem Martin Luther – ehmaliger Mönch, die geflohenen Nonne Katharina von Bora ehelicht. Mehrmals vernimmt man „Gott zum Gruße“ statt des gewohnten „Hallo“. Wie Musik klingt es in meinen Ohren. Am nächsten Morgen erkenne ich den Platz nicht wieder. Es haben sich einige Menschen zusammengetan und den ersten Frühschoppen hinter sich. Schon jetzt erlebt man eine ausgelassene, fröhliche Stimmung. Denn zur zweiten Stunde des Mittags soll der große Festumzug beginnen, auf den alle schon erwartungsvoll warten. Und da ist sie, die heißersehnte Stunde. Viele Menschen fanden sich am Vormittag in unserer Ausstellung ein und stellten fest, wie hoch man stehen kann und nutzen diese Gunst und betrachten den Festumzug von unserer höchsten Etage. Auch ich nehme mir dies zum Vorteil und kann ihn so voll auskosten und genießen, während man von weiter unten „JUBEL, AHHHH, OHHHHH“ vernimmt. Von allen Seiten mit Musik und feucht-fröhlicher Freude umgeben, werde auch ich von dieser Atmosphäre in den Bann genommen. Ich bleibe in dieser Welt versunken, bis sie urplötzlich am Sonntagnachmittag um 17 Uhr aufgebrochen wird. Die Menschen verwandeln sich wieder in Menschen des 21. Jahrhunderts und beginnen eifrig mit dem Abbau. Trauer umfasst mein warmes Herz, denn nun folgt wieder eine Zeit der Leere bis die Sommerferien anfangen.

Es sei denn: Alle, die ihr dies hier lest, verbreitet es und fordert auf zum Besuch der Weltausstellung Reformation. Wir Volunteers wollen uns alle sehr gerne mit Ihnen und mit Euch unterhalten, auf die Spuren Martin Luthers gehen und vom Hölzchen aufs Stöckchen und über alle Welt reden und Freude verbreiten.

Bis demnächst,
eure Acelya 😀

Autor:

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume!

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