Mein Alltag bei der Weltausstellung Reformation

Halli-Hallo, ihr Lieben!

Wieder ist ein Monat rum und ich wundere mich, wie schnell die Zeit nun wieder vorangeschritten ist. Vor kurzem habe ich noch gedacht: „Aach es sind ja noch drei Monate, bis es wieder in die Heimat geht. Das ist noch sooo lange hin.“ Ja-ja, so lange dann doch nicht mehr. Manchmal fragt man sich wirklich, wo denn der Monat hin ist, der doch gefühlt gerade eben erst angefangen hat.
Aber so ist es nun einmal.
Viel ist im vergangenen Monat nicht passiert. Ich war in der ersten Juli-Woche im Urlaub, wo ich wirklich sehr gut erholt wieder zurückgekehrt bin und darauf folgte der Alltag im „Türenhaus der Gerechtigkeit.“

Der Alltag sieht folgendermaßen aus:
Um ca. 9.30 Uhr mache ich mich auf den Weg in die Innenstadt, wo das Türenhaus steht. Ich öffne die Klappe in den zweiten Stock und stelle die Diakoniehocker ins Erdgeschoss und lege die wenigen Flyer aus. Im Bugenhagenhaus stehen immer zwei Stühle für Lily und mich bereit, die wir uns zu Beginn unseres Dienstes holen und am Ende wieder wegbringen. Dann warten wir auf Besucher. Morgens ist meistens mehr los als am Nachmittag. Die Zeit vom Dienstbeginn bis zur Mittagspause ist sehr kurzweilig. Die Mittagspause staffeln wir zeitlich. Ich gehe meistens um 12 Uhr und Lily dann, wenn ich wieder zurück bin. Und am Nachmittag freuen wir uns darüber, Menschen zu begegnen und mit ihnen Gespräche zu führen. Bis wir dann abends um 18 Uhr aufräumen, die Klappe zu machen und wieder nach Hause oder zum Abendessen in die Kantine fahren.
Zur Zeit hat das Konfi-Camp seine Sommerpause, wohlverdient. Aber wenn es stattfindet, dann darf ich mich schon um 17.30 Uhr vom Türenhaus aus auf den Weg zur Schloss- bzw. Stadtkirche machen, um mich auf die Konfi-Camp-Andacht um 18 Uhr vorzubereiten. Ich persönlich habe gar nicht viel vorzubereiten. Es geht eher darum, den Musiker willkommen zu heißen und ihn beim Aufbau zu unterstützen und einmal mit ihm die Lieder durchzugehen, die wir bei der Andacht singen möchten. Um 18 Uhr feiern wir dann die Andacht, die ungefähr 15 Minuten dauert. Dann wird noch beim Aufräumen geholfen und um 18.30 Uhr mache ich dann auch Feierabend und begebe mich auf den Weg zum Abendessen.

Für weitere Infos zum Türenhaus und den jeweiligen Türen schaut gerne auf der Homepage der Diakonie vorbei: http://www.diakonie2017.de
Da erfahrt ihr, wie Diakonie und Reformation zusammenzubringen sind und wie auf vielfältige Art und Weise das Thema Gerechtigkeit umgesetzt worden ist und wie viele verschiedene Perspektiven auf dieses Thema geworfen werden.

Das alles erklären Lily und ich auch jedem Besucher, der vorbeikommt. Nach 10 Wochen Weltausstellung haben wir mittlerweile 50 verschiedene Art und Weisen den Inhalt wiederzugeben. Für mich persönlich ist es schon auch irgendwie lustig festzustellen, wie erfinderisch man wird, um nicht jedes Mal exakt die selben Worte von sich zu geben, sondern den Inhalt auch für sich selbst auf eine interessantere Art und Weise wiederzugeben.
Manchmal ergeben sich auch sehr interessante Gespräche mit Besuchern, die dann einerseits sehr kritisch diesem Thema gegenüber stehen und man versuchen muss, so neutral wie möglich darauf einzugehen und andererseits viele Menschen total begeistert sind von der Idee und der Umsetzung und man so vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt und sich teilweise in ein sehr intensives Gespräch verwickelt. Das sind für mich immer die schönsten Momente. Ich kann zwar nie viel zur Diakonie selbst erzählen und ich vermeide es auch, so gut es geht, über politische Themen zu reden, aber das Thema Gerechtigkeit ist dankenswerter Weise sehr vielfältig und so habe ich auch gelernt, die Gespräche auch einfach zu Themen zu lenken, die für mich persönlich „ungefährlich“ sind. Denn es ist ja so, dass Lily und ich eigentlich eine rein informative Rolle vertreten. Außerdem finde ich es sehr problematisch über politische Themen zu reden, da man nie weiß, wie das Gegenüber wirklich denkt. Es ist natürlich was anderes, wenn man mit Freunden, Familie, Kollegen darüber spricht, denn die kennt man ja in den meisten Fällen schon recht gut. Aber mit wildfremden Menschen darüber zu reden, ist eine Gratwanderung. Ich habe festgestellt, dass es eben am besten ist, „schwierige“ Themen zu vermeiden und sich mehr auf das Soziale und den Menschen selbst zu konzentrieren. Das bedeutet, mehr zuzuhören und den Menschen erzählen lassen, denn oft – stelle ich fest – kommen die Menschen, um einfach etwas loszuwerden, ohne dass sie eine Antwort oder einen Rat erwarten. Mal davon abgesehen, dass ich in meiner Position sowieso keinen Rat geben kann. Eher weniger oft kommt es vor, dass Menschen explizit nach einer Meinung fragen – also ehrlich gesagt gar nicht. Wenn Lily und ich etwas gefragt werden, dann meistens, was wir denn hier machen und wer wir eigentlich sind und wo wir herkommen und wie wir es empfinden, Teil des 500-jährigen Reformationsjubiläums zu sein. Auf diese Fragen antworten wir beide sehr gerne.

Außerdem bekommen wir auch Unterstützung von Menschen, die in der Diakonie tätig sind oder einmal waren. Das macht die Zeit ein wenig abwechslungsreicher und schöner. Denn dann haben wir natürlich jemanden, den man erstens neu kennenlernen kann (von der älteren Generation auch etwas lernen) und zweitens jemanden, der meist sehr motiviert ist und auf die Besucher anders zugeht, als Lily und ich das tun. Und zusätzlich haben wir noch jemanden, der fachlich kompetenter ist – ich meine im Bezug auf die Diakonie. Denn diese Menschen haben einmal dort gearbeitet oder tun es noch und haben mehr Erfahrung als Lily und ich, die ja eigentlich nur „ausgeliehen“ worden sind. Ja, ihr habt richtig gelesen, „ausgeliehen“. Die vielen verschiedenen Aussteller der Weltausstellung Reformation haben den Verein Reformationsjubiläum 2017 e.V. angefragt nach Unterstützung und wir Volunteers durften aussuchen, in welchem Bereich wir arbeiten möchten und so wurden Lily und ich gemeinsam bei der Ausstellung der Diakonie eingeteilt. Ich finde das prima, es war eine super schöne Vorbereitungszeit, die wir in Berlin verbracht haben. Wir haben die zwei hauptverantwortlichen Personen dieses Projektes kennengelernt, die uns einerseits die Geschäftsstelle in Berlin gezeigt und andererseits natürlich auch das Projekt selbst vorgestellt haben. Und ein zweites: Wir durften die Menschen und Bewohner im Paul-Gerhardt-Stift in Wittenberg und Menschen, die aus Kriegsgebieten in Syrien geflüchtet sind, in Berlin in einer Flüchtlingsunterkunft kennenlernen. Das waren für mich besondere Erfahrungen. Darüber habe ich hier und hier berichtet, wenn ihr Näheres dazu lesen möchtet.

Jetzt sind es nur noch knappe 6 Wochen, die die Ausstellung in Wittenberg läuft und ich sehe dieser Zeit positiv entgegen. Ich freue mich auf die Gespräche, die noch entstehen werden. Aber ich freue mich auch darauf, dass es nicht mehr lange dauert, bis mein Dienst sein Ende findet und ich etwas Neues in Angriff nehmen kann.
Ich muss zugeben, ich finde es echt schwer, nicht jetzt schon ans Ende zu denken. Ich überlege schon, wie ich das mit dem Umzug am besten umsetze und was ich dann mache, wenn ich wieder zuhause bin, denn für mich geht zuerst einmal in die Heimat zurück. Aber eigentlich möchte ich noch gar nicht daran denken, ich möchte die Zeit hier genießen können. Mal sehen, in wie weit ich das für mich umsetzen kann. Aber ich arbeite daran, in der Gegenwart zu leben.

Bevor das aber jetzt hier zu philosophisch wird, wünsche ich euch einen schönen und hoffentlich weniger herbstlichen Sommer, als ich ihn hier in Wittenberg erlebe.

Das Urheberrecht für die Bilder in diesem Beitrag hat Felix Gerber von FG-Fotografie.

Eure Acelya

Autor:

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume!

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