Entdeckungsreise Weltausstellung

Halli-Hallo, ihr Lieben!

Das ist schon ganz schön krass! Es ist September! Wenn dieser Monat zu Ende geht, geht auch meine Wittenberg-Ära zu Ende!!! Das heißt, bald war’s das auch mit meinen Geschichten für Euch 😦
Nein, ich werde jetzt nicht sentimental, mir ist das einfach nur mal gerade so aufgefallen. Ich sitze hier gerade so Salzbrezel naschend (wie meistens, wenn ich brainstorme und meine Beiträge schreibe) und schaue auf die Uhr, nebendran steht mein Kalender und ich realisiere: Es ist der 06.09.2017! Mein Vertrag beim Reformationsjubiläum 2017 e.V. geht bis zum 30.09.2017. Es ist weniger als ein Monat der mir jetzt noch bleibt.
Genug davon, dass klingt ja fast, als ginge die Welt unter. Aber krass ist das schon, oder?

Eigentlich möchte ich euch von meiner Entdeckungsreise erzählen und das mache ich jetzt auch.
Ich war in den letzten Wochen immer wieder mal auf der Weltausstellung unterwegs, da ich bis dato nur das Türenhaus und das Asisi-Panorama kannte. Das fand ich irgendwie doof, außerdem dachte ich mir, wäre es doof, daheim nichts davon erzählen zu können. Also nahm ich mir ein Programm in die Hand und ging den Weltausstellungsplan durch. Kriterien? Was klingt interessant und was interessiert mich? Dabei habe ich folgendes entdeckt:

Direkt neben dem Türenhaus ist das Bugenhagenhaus. Dies ist damals das erste Pfarrfamilienhaus gewesen. Johannes Bugenhagen – auch als Reformator des Nordens bekannt – war der erste Generalsuperintendent der evangelischen Kirche, Anhänger und Freund Martin Luthers und derjenige, der Martin Luther und Katharina von Bora traute. Und eben dieses Haus, in dem er lebte, ist nun der Gemeindesaal der Stadtkirchengemeinde. Und in diesem Saal finden wöchentlich verschiedene Ausstellungen statt. Aussteller sind Gemeinden aus der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland. Dort schaue ich jede Woche mal vorbei, um erstens zu wissen, was für eine Ausstellung gerade läuft und zweitens, um die verschiedenen Gemeinden, die zur EKM gehören, kennenzulernen.
Von dort aus machte ich mich auf den Weg in Richtung Wallstraße. Ehe ich dort ankam, machte ich Halt am Erlebnisraum Taufe. In drei Räumen wird einem die Taufe näher gebracht. Im ersten Raum hat man bequeme Sessel, in die ein Tablet intergriert ist, über welches man sich sehr genau mit der Taufe auseinandersetzen kann. Zum Schluss der ganzen Infotexte habe ich noch ein Rätsel gemacht und alle Fragen richtig beantwortet. Im nächsten Raum hatte man eine riesige halbrunde Leinwand, auf die ein sehr eindrückliches Video in Dauerschleife abgespielt wurde. Mich hat es sehr gefesselt. Nach einer Weile ging ich in den dritten Raum. Dort stand ein Taufbecken, mit dessen Wasser ich von einer Mitarbeiterin gesegnet wurde. Es war ein sehr einzigartiges Erlebnis. Mir gefiel diese ruhige und andächtige Atmosphäre und das zarte blau der Räume sehr gut.
Als ich die Wallstraße in Richtung talent’s tent ging (da gibt es super leckere Waffeln!!!) entdeckte ich den Pavillion der Barmer Theologischen Erklärung. Es ist ein Pavillion, der eigentlich nur aus beschriebenen Stellwänden besteht. Da mir das alles viel zu viel zu lesen war, habe ich am Empfang einfach nachgefragt und mir die Barmer Theologische Erklärung erläutern lassen. Es entstand ein schönes, intensives Gespräch über Theologie im Allgemeinen.
Von dort aus ging ich weiter zum talent’s tent, denn ich hatte Hunger. Dort gibt es leckere Waffeln und leckeren Kaffee, den ich genossen habe. Auch dort habe ich mich in ein Gespräch mit einer württembergischen Pfarrerin verwickelt.
Nach der Stärkung wollte ich wieder zurück in die Innenstadt und lief an der Berufungsfabrik vorbei. Dieser Pavillion macht darauf aufmerksam, dass für Luther Beruf und Berufung unweigerlich zusammen gehören. Hier darf man sich selbst mit diesen Begriffen auseinandersetzen und sich eine Meinung bilden.
Dann machte ich mich auf den Weg zur Lichtkirche, einmal quer durch die Stadt. Dies ist der Beitrag der EKHN zur Weltausstellung Reformation. Thema ist der Segen. Den darf man geben und nehmen. Dies habe ich gemacht, auf vielfältige Art und Weise, aber ganz besonders lustig war der Segensroboter. Von ihm ließ ich mich auf hessich segnen! Ein herrliches Erlebnis.
Gleich nebendran ist das Eine Welt-Zelt, dort bin ich aber nur so mal kurz durchgeschlendert, da es kurz vor 18 Uhr war. Es gibt ein Hör-Rätsel der Christoffel-Blindenmission, dann war ich in einem Raum, der komplett dunkel war. Ich benutzte meine Handy-Taschenlampe, um die Bilder, die an der Wand hingen zu entdecken und mir verschiedene Infos dazu durchzulesen. Am eindrücklichsten fand ich aber den Esstisch mit den verschieden hohen Stühlen. Diese zeigen die durchschnittliche Lebenerwartung des jeweiligen Landes. Gleich nebeneinander der höchste und niedrigste Stuhl. Der kleine Stuhl kommt aus Sierra Leone, wo die Menschen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 51 Jahren haben und Deutschland auf dem höchsten Stuhl mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 78 Jahren.

Das asisi-Panorama und die Kunstausstellung „Luther und die Avantgarde“ im alten Gefängnis stehen für sich.
Das asisi-Panorama ist ein 360°-Bild, welches ca. 3 m hoch ist und vom zeitgenössischen Künstler Yadegar Asisi gemalt wurde. Es stellt Luther im Jahre 1517 dar. Im Mittelpunkt steht die Schlosskirche, an die Martin Luther vor 500 Jahren seine Thesen angeblich angeschlagen hat. Es ist in drei Teile aufgeteilt. Zu Beginn lernt man Wittenberg vor der Reformation kennen. Es wird der Ablasshandel betrieben; an jeder Ecke stehen Menschen, die die Ablassbriefe verkaufen. Dann rückt die Schlosskirche ins Blickfeld, wenn man weitergeht. Dort ist der Thesenanschlag zu erkennen und wie Martin Luther gegen den Ablasshandel vorgeht. Und gegen Ende des Bildes erlebt man die Zeit nach dem Thesenanschlag. Im gesamten Bild taucht Martin Luther mehrmals auf. Ich habe ihn bisher (ich war zweimal drin) nur 4- oder 5-mal entdeckt. Es ist wie ein großes Wimmelbild. Ich mag es total. Ach ja, außerdem erlebt man Tage dort. Das heißt, es gibt ein wunderbares Licht- und Geräuschespiel.
„Luther und die Avantgarde“ eint viele kleine Ausstellungen zu einer großen. Verschiedenste zeitgenössische Künstler haben die Gefängniszellen als Raum zum Entfalten genutzt. Es sind ca. 60 Gefängniszellen, die man ablaufen kann; alle nicht größer als geschätzte 6 m². Es ist moderne Kunst. Manches ergibt Sinn und bei manchen Zellen stehe ich bloß da und wundere mich, ob das wirklich Kunst ist. Alles in Allem ist es eine sehr schöne, eindrückliche und aussagekräftige Ausstellung. Zu wissen, dass es ein Gefängnis ist, durch das man geht, löst ein beklemmendes Gefühl aus. Bei manchen Zellen denkt man sich: „Bloß weg hier!“, aber man kann gleichzeitig auch nicht den Blick abwenden. Und genau das – finde ich – macht Kunst aus. Sie muss etwas in einem bewegen und verschiedene Emotionen auslösen. Und das ist bei „Luther und die Avantgarde“ definitiv der Fall.

Wenn man gerade in Wittenberg angekommen ist und aus dem Zug aussteigt, kann man eine Sache nicht verfehlen: der Bibelturm. Es ist eigentlich nur ein 27 m hohes Gerüst mit 167 Treppenstufen, um auf der obersten Etage anzukommen. Das Besondere ist aber, dass dieses Gerüst mit dem Cover der revidierten Lutherbibel von 2017 überzogen ist. Auf der Rückseite des Covers ist jede Seite der Bibel – ergo die ganze Bibel – einmal abgedruckt. Ich stieg auf den Bibelturm an einem schönen, sonnigen Tag mit ein paar Wölkchen am ansonsten blauen Himmel. Es war warm und ich dachte mir: „Heute nutze ich den Tag, um den Bibelturm zu besteigen.“ Also machte ich das auch. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass sich die 167 Treppenstufen so bequem steigen ließen. Auf jedem Absatz gibt es einen Spruch aus der Bibel zu lesen oder eine Meinung verschiedenster Menschen, was denn die Bibel für sie bedeute. Oben angekommen hat man einen schönen weiten Ausblick auf Wittenberg. Ich wohne seit über einem Jahr hier und dennoch fällt es mir schwer, mich zu orientieren. Aber nach einer Weile habe ich sogar das geschafft. Ich wollte fast gar nicht mehr runter. Herrliches Wetter, einigermaßen Ruhe… das erzeugte bei mir ein Gefühl von „über den Wolken…“.

Ansonsten habe ich nicht mehr von der Weltausstellung gesehen. Wir haben ein sehr großes Angebot. Jede*r pickt sich das heraus, was für ihn/sie interessant ist.

Ich kann allerdings noch von der Ausstellung der Schweizer Reformation erzählen. Der Pavillion trägt den Namen „Prophezey“. Huldrych Zwingli war Reformator in Zürich, zur Zeit Martin Luthers. Er initiierte öffentliche Übersetzergruppen in Zürich. Am Ende einer jeden – sozusagen – Veranstaltung gab es eine Predigt zum jeweils übersetzten Text. Diese Übersetzergruppen nannten sich Prophezey, daher der Name des Pavillions. In diesem kann man Huldrych Zwingli aus Zürich und Jean Calvin aus Genf und ihre reformatorische Theologie näher kennenlernen. Im ersten Raum, der Empfang, werden sie und Martin Luther porträtiert in Form von Silhouetten. Außerdem entdeckt man noch eine kleine Silhouette. Sie zeigt Niklaus von Flüe. Er lebte ein Jahrhundert vor der Reformation, hegte schon reformatorische Gedanken, an die sich Calvin anlehnte, insbesondere im Bezug aufs Söldnertum, war aber in sofern kein Reformator. Im nächsten Raum kann man sich näher inhaltlich mit der Schweizer Reformation auseinandersetzen. Man erfährt im Schweizer ABC, was es mit Zwingli, Calvin und den einzelnen Kantonen im 16. Jahrhundert auf sich hat. In der Mitte des Raums findet man ein Video, welches die originale Zürcher Bibel zeigt, die durchgeblättert wird. Die erste Übersetzung der hebräischen und griechischen Urtexte ins Zürcher Hochdeutsch wurde von Froschauer gedruckt und 1531 veröffentlicht. Von dort aus gelangt man in den zentralen Raum des Pavillions. Dort steht ein Nachbau einer Gutenberg-Druckerpresse, der eigens für die Weltausstellung hier in Wittenberg gebaut worden ist. Dort darf man sich eigenhändig eine Bibelseite der Zürcher Bibel drucken: Eine Passage aus der Offenbarung des Johannes (revidierter Text von 2007) und eine Illustration Hans Holbeins des Jüngeren, wie sie auch im Original von 1531 zu finden ist. Jeden Tag werden Text und Illustration getauscht, um Abwechslung herein zu bringen. Wenn man dann in vorletzten Raum gehen möchte, läuft man zunächst einmal an einem interessanten Bild vorbei: Es ist ebenfalls eine Illustration aus der Zürcher Bibel 1531. Es zeigt den Apokalypse-Engel, der Johannes eine Schrift überreicht. Im folgenden Raum erwartet einen eine Jazz-Version des Kirchenliedes „Großer Gott wir loben dich“ und der Blick in die Natur durch eine etwas andere Linse. Zwischen der Natur und dem eigenen Auge ist ein Bildschirm mit einer Live-Übertragung eines Parkausschnittes zu erkennen. Außerdem wird einem die Möglichkeit geboten, zur Ruhe zu kommen, sich hinzusetzen und sich noch verschiedene Informationen über Reforamtoren und die Schweizer Reformation anzulesen. Und last but not least gibt es noch einen Shop, bei dem man leckere Reformationssuppe und vieles mehr erwerben kann. Außerdem kan man sich auch noch ein Film über die Schweizer Reformation anschauen und online das „Wolkenalphabet“ durchblättern. Was das ist, könnt ihr hier herausfinden.
Warum ich ausgerechnet diese Ausstellung so detailliert beschreibe, fragt ihr euch sicherlich schon? Ich hatte die Ehre vergangene Woche für vier Tage dort mitzuarbeiten. Mir war es ein Anliegen auch noch mal etwas anderes außer das Türenhaus kennenzulernen aus der Sicht eines dort arbeitenden Volunteers. Mir hat das richtig Spaß gemacht, dort mitzuarbeiten, die schweizer Theologie ein wenig kennenzulernen und ein paar nette Unterhaltungen mit coolen Schweizern zu haben. Es gibt mehr als nur Luther und Wittenberg!!!

Manchmal ärgere ich mich über mich selbst, dass ich nicht schon eher die Muße hatte, mir die Weltausstellung zu Gemüte zu führen. Vielleicht hätte ich noch mehr mitnehmen können, aber wenn ich unter der Volunteersschaft mal quer höre, fällt mir auf, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Es ist halt eben doch schon etwas anderes sich das mit den Augen eines Besuchers anzuschauen als mit den Augen eines Mitarbeiters. Ich denke, als Besucher kann und konnte man in einer Woche mehr mitnehmen, als ich jetzt in diesen 4 Monaten geschafft habe.
Heute ist die letzte Themenwoche angebrochen: Botschaften aus Wittenberg. Am Sonntag endet diese Woche und die Weltausstellung mit dem großen Aufbruchgottesdienst. Und das war’s! Unglaublich. Ich meine, zwischendurch habe ich mir ja beinahe das Ende herbeigewünscht, weil nichts los war und jetzt ist es fast so weit. So ganz habe ich das noch nicht realisiert. Auf mich kommt noch eine Woche Abschlusseminar auf mich zu und dann war’s das. So tuttikompletti. Wahnsinn!
Davon berichte ich euch aber später noch. Wie das alles so ablief, wie sich das angefühlt hat usw.

Jetzt wünsche ich euch erst mal eine schöne Zeit und bis zum nächsten Mal.

Eure Acelya 😉

Autor:

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume!

Ein Kommentar zu „Entdeckungsreise Weltausstellung

  1. Dieser Beitrag hat deinem Papi außerordentlich gut gefallen, weil er sehr informationsreich ist, sich aber sehr kurzweilig liest. Voll gelungen!!!!!!!

    Liken

Wenn euch der Beitrag gefallen hat, kommentiert in hier:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s